§ 129 b Düsseldorf Faruk: Blut beschmiert

Seit 2007 dauert die Untersuchungshaft von Faruk Ereren an. Er wird beschuldigt, „Mitglied der Ausländischen Terroristischen Vereinigung DHKP-C und deren hochrangierender Funktionär zu sein“. Seit drei Jahren befindet er sich in Isolationshaft und wegen seiner durch Folter entstandenen chronischen Erkrankung geht es ihm gesundheitlich nicht besser. Faruk Ereren leidet unter paranoidartigen Angstsymptomen, die medikamentös behandelt werden.
Während der überlangen Untersuchungshaft traten neue gesundheitliche Probleme auf und Faruk befand sich zwischenzeitlich zur Untersuchung in der Klinik.
Nach seiner Verhaftung stellte er einen Asyl-Antrag, über den bis heute noch nicht entschieden wurde. Weil die Untersuchungshaft und Sitzungen zu lange dauern, hat sein Anwalt eine Beschwerde wegen „Verletzung der Gefangenenrechte und Verschleppung des Prozesses“ beim Europäischen Gerichtshof in Straßburg eingereicht. Da Faruk von seinem Aussageverweigerungsrecht umfangreich Gebrauch machte und der 2. Strafsenat des OLG Düsseldorf deshalb auf dünner Beweislage agierte, wurde Faruk Ereren eine Absprache angeboten, die er jedoch kategorisch ablehnte und zwar mit der Begründung, dass der Kampf gegen den Faschismus keine Straftat darstellt und somit auch nicht verurteilt werden kann.
Aktuell soll Faruk offenbar durch die Auslieferungsdrohung jetzt weiter psychisch zermürbt werden, damit er von seiner konsequenten Aussageverweigerung abweicht und doch noch Aussagen macht.
Am letzten Verhandlungstag vor der Osterpause ging es aber zunächst um beschlagnahmte Briefe, verspätete Gerichtspost an Faruk Ereren und die Verlesung einiger Schriftstücke durch den Vorsitzenden.
In den beschlagnahmten Briefen schreibt Faruk Ereren, dass er seit seiner Jugend der DEV-GENÇ angehörte und dass er als deren Mitglied auch sterben wolle, er also nicht von seiner Gesinnung abweiche. In seiner Prozesserklärung beschreibt er die Zustände gegen die er gekämpft hat:
„Meine Heimat ist ein Land, in dem von den Gipfeln der Berge bis zu den Slums der Städte jeder Ort mit Blut beschmiert ist. Es ist ein Land, in dem Hunger, Armut in einem unerträglichen Maße existieren, die Menschen für einen Beutel Nudeln sich an Lebensmittelausgabeschlangen gegenseitig zerquetschen.
Es ist ein Land, bei dem man an Folter, Massaker, Unterdrückung und Verschollene denkt. Es ist ein Land, in dem unsere jungen Töchter, Söhne vergewaltigt werden, dessen Städte und Stadtviertel in offene Gefängnisse verwandelt wurden.“ Ein Land, das systematisch foltert. Ein Staat, der oppositionelle Menschen verschwinden lässt. Ein Staat, der das kurdische Volk erniedrigt, terrorisiert und immer wieder tötet.

Alle die, die gegen Faruk Ereren zu Gericht sitzen, wissen von den Folterurteilen des Europäischen Gerichtshofes gegen die Türkei; sie wissen auch von den hunderten von Aussagen gefolterter Menschen, die aus der Türkei kamen und hier Asyl erhielten.
Gegen Ende der Verhandlung monierte Faruks Verteidiger Budde die langen Postwege von Karlsruhe zur JVA Düsseldorf: „Was ist das? Warum dauert die Post von der Bundesanwaltschaft Karlsruhe zur JVA Düsseldorf länger als in unser Büro nach Dortmund?“ In der Tat saß Faruk Ereren während der Verhandlung ohne die zu seiner Verteidigung notwendigen Schriftstücke da. Obwohl er starke gesundheitliche Probleme hat, sitzt er weiterhin während des Prozesses in einer Art Plastikkäfig abgetrennt von seinen Verteidigern, er kann also auch dessen Schriftstücke nicht einsehen, was ein Notbehelf wäre, wenn ihm die Post aus Karlsruhe fehlt.
Die rund 50 Zuschauer grüßten Faruk beim Verlassen des Saales mit einer solidarischen Geste.
Nächster Verhandlungstag in Düsseldorf im Faruk-Prozess ist der 14.4.2010, die Verhandlung beginnt um 10.30 Uhr, der Termin 15.4. ist aufgehoben.
Am 14.4. steht die Vernehmung eines Zeugen auf dem Plan.
Weitere Termine sind dann bis 15.7. jeweils mittwochs + donnerstags ab 9.15 Uhr (Uhrzeiten können sich ändern!)
Das Prozessgebäude liegt etwa 4,4 Kilometer von dem Hauptgebäude entfernt.
Ab Düsseldorf Hauptbahnhof
mit den S-Bahnen
S 8 Richtung Mönchengladbach Hbf/Europaplatz,
S 11 Richtung Bergisch-Gladbach,
S 28 Richtung Kaarster See
bis Haltestelle „Völklinger Straße“
mit der Straßenbahn-Linie 708 Richtung Düsseldorf-Hamm bis zur Haltestelle „Hemmersbachweg“, sodann jeweils über die Plockstraße zum Kapellweg 36.





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